Fremdsprachenunterricht in neuer Lernumgebung

Raum 507

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Nutzungskonzeption


Von der Idee zur Realisation


Von der Idee bis hin zur Einrichtung eines Fremdsprachenraumes hat es immerhin fünf Jahre gedauert. Schon 1999 hieß es in einem Schreiben an unseren Schulleiter

 … für den Unterricht in den Fächern Englisch und Spanisch beantragen wir die Einrichtung eines Fremdsprachenraumes.

Gründlich überholt fanden wir Englisch- und Spanischlehrer/innen damals das Bild des Fremdsprachenlehrers, der als wandelndes Multimedium, ausgerüstet mit Lehrbuch, einem Kassettenrekorder und manchmal auch Telefontrainer, in ein mehr oder weniger freundliches Klassenzimmer eilte, um dort fremdsprachliche Realität zu praktizieren.

„Unser Fremdsprachenraum“ sollte den Möglichkeiten Rechnung tragen, Bild, Ton und Schrift in abgewogenem Verhältnis in Unterrichts- und vor allem auch in individuelle Lernprozesse einzubringen. So hieß es weiter:

Der Raum soll eine angemessene Größe besitzen, um effektive Gruppenarbeit zu ermöglichen. Darüber hinaus ist ein Internetanschluss erforderlich, da die Nutzung des Internets im Fremdsprachenunterricht zunehmend an Bedeutung gewinnt. Weitere Einzelheiten wie Anstrich, Bodenbelag und Mobiliar sollen dann entschieden werden, wenn ein konkreter Raum zur Verfügung steht.

Zwar sah auch unser Schulleiter die Notwendigkeit, dem Fremdsprachenunterricht eine neue Dimension zu geben, leider standen aber weder ein konkreter Raum noch die erforderlichen Gelder zur Verfügung. 


Grünes Licht für den Aufbau eines Fremdsprachenzentrums kam im Schuljahr 2003/2004. Unterstützt durch Fördermittel der EU stand eine Summe von €56.660 zur Verfügung. Geführt wurde das Projekt im Rahmen des Fachraumprogramms der Stadt Dortmund mit Mitteln aus dem Ziel-2-Programm der EU. Die Finanzierung erfolgte zu 35% aus EU-Mitteln und zu 65% aus Haushaltsmitteln des Schulträgers.

 

Nachdem die Frage der Finanzierung geklärt war, konnte auch das Raumproblem gelöst werden. Die Wahl fiel auf Klassenzimmer 507 in der fünften Etage. 


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Ziele

 

Schon im Jahre 1900 hat der amerikanische Pädagoge John Dewey die Forderung vertreten und in seiner Chigagoer Laboratory School auch ein Stück weit realisiert, dass Schüler, wenn sie erfolgreich lernen sollen, eine Lernumgebung, ein so genanntes learning environment, brauchen, das die sie umgebende gesellschaftliche Wirklichkeit kontrolliert vorwegnimmt.[1]

Für den Fremdsprachenunterricht heißt das, dass die Schüler einen Raum benötigen, in dem die Wirklichkeit der fremdsprachlichen Kommunikation schulisch angemessen eingefangen werden kann.

 

Die Forderung nach fremdsprachlicher Kompetenz, die seit ca. drei Jahrzehnten die methodisch–didaktische Diskussion bestimmt, verlangt, dass der Lerner in die Lage versetzt wird, selbstbestimmt mit anderen Menschen in der Zielsprache zu kommunizieren. Dieses Ziel zu erreichen, setzt den vielfältigen Kontakt mit allen Formen der Fremdsprache voraus. Gutem Fremdsprachenunterricht kommt somit die Aufgabe zu, Situationen einzurichten, in denen die Kommunikationsfähigkeit und –bereitschaft in der Zielsprache entwickelt werden kann.

 
wpe9.jpg (4669 Byte)         Medien als Möglichkeit zielsprachliche Realität zu speichern


und so in Schule einzubringen, haben also eine ganz besondere Bedeutung. Darüber hinaus können sie durch den erkennbaren Realitätsbezug die Lernmotivation ganz entscheidend unterstützen. Fernseher und Video bieten im wahrsten Sinne des Wortes Einsicht in sprachliches Handeln in konkreten Situationen. Durch Internet und E-mail ergeben sich des Weiteren Möglichkeiten für einen Informationsaustausch, bei dem Schüler ihre Fremdsprachenkenntnisse in einer realen Situation nutzen.

 

Auch wenn computergestütztes Lernen im Fremdsprachenunterricht eine wesentliche Rolle spielt, so muss in diesem Zusammenhang doch gründlich über die Voraussetzungen nachgedacht werden. Klar ist, dass gute Computerprogramme einen individualisierten Lernprozess ermöglichen: der Schüler wird in die Lage versetzt, sein eigenes Lerntempo zu bestimmen, ohne sozialer Kontrolle durch Mitschüler ausgesetzt zu sein. Klar ist aber auch, dass es nicht genügen kann, Schüler zu bestimmten Unterrichtsstunden in einen Computerraum zu schicken; vielmehr muss der computergesteuerte Zugriff ebenso wie Ton- und Bildmaterial zur Erreichung einer höheren Authentizität sinnvoll in den Fremdsprachenunterricht integriert werden.  


 

Gestaltung und Nutzung des Fremdsprachenraumes

   Die oben dargestellten Vorgaben an einen Fremdsprachenunterricht

- eine angemessene Lernumgebung sowie das Ziel der fremdsprachlichen Kompetenz - bestimmten maßgeblich die Planung und Gestaltung des ehemaligen Klassenraums 507.

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Entstanden ist ein heller, freundlicher Raum mit max. 32 Arbeitsplätzen, mobilen Computereinheiten, Laptops, Internetzugang und zusätzlicher modernster Multimedia-Ausstattung. Landkarten und Poster geben einen ersten Aufschluss darüber, dass es in diesem Raum um die Kommunikation mit Menschen geht, die eine andere Sprache sprechen - in diesem Falle Englisch und Spanisch.

Ein Nebenraum enthält einen weiteren Arbeitsplatz mit Internetzugang und viel Regalfläche für Arbeitsmaterialien.  


Wie in der Zielsetzung dargestellt, soll die aktuelle PC-Ausstattung den Unterricht der Fremdsprachenlehrer/innen sinnvoll unterstützen. Wesentlicher Bestandteil des Unterrichts bleibt jedoch das Unterrichtsgespräch. Hier ermöglichen die variablen Tischgruppen die Einübung und Durchführung unterschiedlicher Sozialformen. Sie erlauben Diskussionen im Plenum und Gesprächskreise ebenso wie Gruppenarbeit oder Stationenlernen.

Um die oben geforderte fremdsprachliche Wirklichkeit einzufangen, stehen vier mobile Computerarbeitsplätze sowie zwölf Laptops mit Internetzugang zur Verfügung (letztere wurden angeschafft, um den Eindruck eines Computerraumes zu vermeiden.)

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Computer und Laptops ermöglichen den Informationsaustausch per E-mail mit unseren Partnerschulen in den Niederlanden, Italien und Schweden, der für eine gelungene Durchführung unseres COMENIUS-Projektes „Young Europe“ zwingend notwendig ist. Die Ausstattung der Computer und Laptops mit Webcams bietet darüber hinaus die technischen Möglichkeiten zur Durchführung einer Videokonferenz und damit zu einer tieferen Einsicht in sprachliches Handeln. 


Ferner soll der computergestützte Unterricht z.B. der Durchführung von Unterrichtseinheiten zur Handelskorrespondenz einen deutlich realistischeren Rahmen geben. Mit Hilfe der Laptops können die Schüler und Schülerinnen ihre Briefe formgerecht gestalten. Ein räumlich getrennter Computerarbeitsplatz schafft zudem die Möglichkeit eine Geschäftsbeziehung zu simulieren und Briefe wie „enquiry“ und „offer“ oder „order“ bzw. „acknowledgement“ auszutauschen.

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Eine realistischere Gestaltung von Geschäftsbeziehungen soll auch mit Hilfe des Telefontrainers erzielt werden. Der angrenzende Nebenraum bietet hier den Vorteil der räumlichen Trennung zum Einüben von Telefongesprächen.


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Die Videoanlage erfüllt vor allem folgende Funktionen: Zum einen dient sie als Informationsquelle. Nachrichtenaufzeichnungen, Dokumentationen oder z.B. fremdsprachige Filme fördern das Ziel einer tieferen Einsicht in das gesellschaftliche Umfeld der Zielsprache. Zum anderen dient sie dem oben dargestellten Lernziel, selbstbestimmt in der Fremdsprache zu kommunizieren. Schülerbeiträge wie Rollenspiele oder Präsentationen können mit der digitalen Videokamera aufgezeichnet und mit Hilfe des Beamers ausgewertet werden. So hilft die Aufzeichnung dem Schüler, seine eigene Leistung realistisch einzuschätzen und ggf. zu verbessern.

 

Selbstbestimmtes fremdsprachliches Handeln verlangt auch, dass die Schüler und Schülerinnen sich selbständig Unterrichtsinhalte erarbeiten. Die Ausstattung des Fremdsprachenraumes erlaubt, dass jeder Schüler stets die Möglichkeit hat eine Internetrecherche durchzuführen oder auf Wörterbücher, Fachlexika, Grammatiken oder Nachschlagewerke zurückzugreifen. Ergänzt wird die Handbibliothek durch englische bzw. spanische Lektüren, die die Schüler ausleihen können.

 wpeC.jpg (22073 Byte)    Selbstlernzentrum (s.Bild)- auch hier steht entsprechendes Material zur Verfügung.


Des Weiteren unterstützt der Fremdsprachenraum die Möglichkeit, einen selbstbestimmten individualisierten Lernprozess zu initiieren. Z.B. kann mit Hilfe von Lernsoftware an den Computerarbeitsplätzen bzw. Laptops, die mit Headsets und Lautsprechern ausgestattet sind, im Rahmen einer Binnendifferenzierung ein Vokabel- Aussprache- oder Grammatiktraining absolviert werden, bei dem der Schüler sein eigenes Lerntempo finden kann.

 

Last but not least sei angemerkt, dass in unserem Fremdsprachenraum aber mit Hilfe von Whiteboard, Kassettenrekorder, CD-Player und OH-Projektor auch ganz normaler Frontalunterricht im herkömmlichen Sinne möglich ist.

 

Seit Beginn des Schuljahres 2004/2005 praktizieren die Schüler und Schülerinnen in den Fächern Englisch und Spanisch nun fremdsprachliches Handeln in neuer Lernumgebung. Ein Plan an der Tür gibt Aufschluss darüber, dass der Raum seitdem permanent genutzt wird

Bei der Erstellung des Belegplanes wurde darauf geachtet, dass möglichst viele Klassen zumindest einmal wöchentlich die Möglichkeit haben, in dem neuen Fachraum zu arbeiten. 


Ausblick

 Ein neu bezogener Raum braucht Zeit zu wachsen, sich mit Energien zu füllen. Diese Regel gilt auch für unseren Fremdsprachenraum. Dass die Schüler und Schülerinnen hier gerne lernen, lässt sich schon jetzt feststellen.

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Unser Ziel wird auch künftig sein, fremdsprachliche Wirklichkeit einzufangen.

Die große Pinnwand soll nicht nur genutzt werden für im Unterricht entstandene Schülerbeiträge sondern auch für Ausstellungen, die z.B. das Leben der Schüler und Schülerinnen an unseren Partnerschulen dokumentieren oder auch über Europa hinaus in die Welt blicken. Einige Schüler oder Schülerinnen, die zu uns ans Konrad-Klepping-Berufskolleg kommen, haben bereits eine Zeitlang im Ausland gelebt. Unser Fremdsprachenraum soll auch ihren Erfahrungen Raum geben, die sie z.B. in den USA, in Australien und Neuseeland oder auf dem afrikanischen oder südamerikanischen Kontinent gemacht haben.

 

Ein Sponsor für die Finanzierung ist zwar noch nicht gefunden. In jedem Fall streben wir jedoch an, einen kleinen Etat zu haben, um unsere Roman- bzw. Lektüresammlung durch Neuerscheinungen zu ergänzen und sie der Schülerbibliothek zur Verfügung zu stellen. Um Tages- bzw. Wochenzeitungen und aktuelle Magazine soll darüber hinaus die Präsenzbibliothek erweitert werden. Auch hier fehlen zur Zeit leider noch die nötigen Gelder.

 

Denkbar wäre in diesem Zusammenhang, dass unser Fremdsprachenraum gelegentlich zu einem Lernbüro wird, in dem auch auf Profit gearbeitet werden kann, z.B. könnten Übersetzungsaufträge gegen Zahlung angenommen werden. Nicht zuletzt würde eine solche Maßnahme auch bedeuten, sich der zielsprachlichen Realität noch einen Schritt weiter anzunähern.

 

 

 

Silvia Disse                 Anja Kobus                  Sabine Schütte
  

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