| Wie im richtigen Berufsleben Virtuelle Firmen schaffen Lernsituationen mit Praxisnähe |
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Wie hoch sind die Lagerkosten, wie sieht´s mit der Zuverlässigkeit der Lieferanten aus, sind die Beschaffungswege ökologisch vertretbar? Fragen, die zum täglichen Brot der Fahrradfirma DOBIKE GmbH gehören. Doch DOBIKE ist kein normales Unternehmen, es ist virtuell von einem Lehrerteam für den Bildungsgang Industriekaufleute am Konrad-Klepping-Berufskolleg in Dortmund erarbeitet. Angehende Industriekaufleute proben am Computer die Praxis: mit Einkaufsstrategien, mit Problemen bei der Lieferantenbeurteilung, bei Beschaffungskosten, bei Terminplanung, wie in einem realen Unternehmen. Freilich mit einer Einschränkung: "Gearbeitet" wird nur an zwei Tagen die Woche.
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Die Auszubildenden sind in fünf Gruppen aufgeteilt. Jedes Team muss einen gruppenbezogenen Arbeitsplan entwickeln, der die Aufgabenverteilung und Zuständigkeiten regelt. Musterlösung gibt es keine, gefragt sind eigene, spezifische Lösungen. Das Datenmaterial ist so angelegt, dass unterschiedliche Ausrichtungen und Schwerpunkte den Betrieb zum Erfolg führen können. |
"Das Arbeiten ohne jeglichen konkreten Arbeitsauftrag ist gewöhnungsbedürftig. Man braucht mehr Geduld und Initiative als im normalen Unterricht mit vorgegebenen Arbeitsaufträgen", sagt Anne Priebe aus der IU2. Zusammen mit ihren Mitschülerinnen und Mitschülern muss sie sich die notwendigen Fachkenntnisse zunächst selbst erarbeiten. Das ist eine unabdingbare Voraussetzung dafür, die "Branche" kennen zu lernen. Ihr Mitschüler Stefan Blinne ergänzt: "Sich selbst erst die Arbeitsaufträge erarbeiten zu müssen, ist eine Herausforderung, die ich so aus der Schule nicht kenne."
Fachkompetenz, Sozialverhalten und Kommunikationsfähigkeit werden in der Lernsituation gefordert. Man muss sich absprechen, koordinieren, sich gegenseitig helfen, auch private Treffen sind manchmal unverzichtbar. Teamarbeit ist also das Erfolgsrezept, gemeinsame Verantwortung, konstruktive Zusammenarbeit. "Voneinander lernen und profitieren", sagt die Schülerin Katharina Wiegardt, "ist wichtig, um diese Aufgabe überhaupt meistern zu können. Das finde ich gut. Das brauche ich auch in Zukunft in meinem Beruf." Nicht nur für die Schülerinnen und Schüler, auch für Lehrerin Britta Rentel ist in dieser Lernsituation vieles neu. Ihre Rolle in der Klasse verändert sich, sie ist eher "Lernbegleiterin". Sie steht als Beraterin zur Verfügung, beobachtet die Arbeitsorganisation der Gruppe und hat so den Überblick über die Arbeitsstände und Probleme. Damit die Auszubildenden nicht an der Problemlösung vorbei arbeiten, hat sie mit ihnen "Meilensteine" vereinbart, die als Zwischenbilanz fungieren. "Wir halten praktisch den Lernprozess an", sagt sie, "und tauschen die Arbeitsstände aus. Das hilft den Gruppen, gravierende Fehlentscheidungen frühzeitig zu erkennen."
Die Schülerinnen und Schüler wissen, dass sie am Ende der Lernsituation (nach ca. 16 Unterrichtsstunden) ihre Ergebnisse der Klasse und interessierten Lehrkräften bzw. Ausbildern vorstellen müssen. Dabei schlüpft jedes Gruppenmitglied in eine professionelle Rolle, ist Arbeitsvorbereiter, Marketing-Managerin oder Verkaufsleiter. Die Erfahrung hat gezeigt: die Schülerinnen und Schüler bringen sich hierbei besonders kreativ und engagiert ein.
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Für die meisten Auszubildenden steht der Erfolg des Projekts schon fest: "Diese Arbeit erfordert Eigeninitiative und macht deshalb viel Spaß", meint die Schülerin Miriam Döll. Sie möchte die praxisbezogene Teamarbeit in der Berufsschule ausweiten, auch weil dies eine gute Vorbereitung für die Arbeit im richtigen Unternehmen ist. Ähnlich sieht das ihr Mitschüler Sven Meens: "Die Situation verlangt wirklich, dass man wie ein Einkäufer denkt und handelt. Das kann man als Auszubildender im Betrieb gar nicht so genau erproben." |