Die Kleppings waren ein ursprünglich aus Lübeck stammendes
Patriziergeschlecht, das sich Ende des 13. Jahrhunderts in Dortmund ansiedelte. Leider
gerieten Geschäftsdokumente, die uns näheren Aufschluß geben könnten, nur selten aus
den privaten Familienakten in die städtischen und staatlichen Archive. Sie überstanden
die Jahrhunderte besonders in England, wo wegen der kontinuierlichen Entwicklung und der
Insellage Kriegseinwirkungen vergleichsweise gering blieben. Was uns überliefert ist:
- 1312
wird der junge Konrad Klepping, Sohn Lefthard Kleppings, als Ratsherr in
Dortmund genannt. Wie alt er damals war, wissen wir nicht genau. Wahrscheinlich war er
nicht einmal 20 Jahre. Damals waren auch Jugendlichen im heutigen Schüleralter hohe
Ämter anvertraut.
- 1316
bürgt Konrad Klepping für Briefe nach Lübeck und Riga - was zeigt, dass sich
Konrads Aktivitäten nicht mit dem für ihn in der Folge so bedeutenden Handel mit England
keineswegs erschöpfen.
- Konrad Kleppings Name findet sich in den Patent Rolls, den Akten über
königliche Privilegien, erstmals am 16. September des Jahres 1317. König Edward
III, damals mit seinem Hofstaat in York residierend, beschränkt die Warenhaftung für
Konrad und seinem Bruder Herrmann auf ihre jeweils persönliche Verantwortung, befreit sie
also von der Pflicht, gegebenenfalls für Konsorten einstehen zu müssen.
- 1326
bürgt Konrad Klepping für Schulden der freien Reichsstadt Dortmund.
- Für das Jahr 1331 weist das Hauptbuch des Königs von England, Close
Rolls, eine Schuld von 255 Mark bei Konrad Klepping und Konsorten aus - eine
bedeutende Summe: für 5000 Mark konnte man damals eine Burg bauen.
- Da Konrad Mitte der Dreißiger Jahre, 1332 und 1334, in Dortmund als
Bürgermeister geführt wird, scheint es stimmig, wenn die englischen Akten in den
folgenden Jahren zwar auf viele Dortmunder Kaufleute wie Sudermann, Bersworth, von Walde,
Muddepenning oder Spissenagel und auch auf Brüder Konrads Bezug nehmen, nicht aber auf
diesen selbst.
- Konrad wird erst wieder in einem zu Brüssel erlassenen Schutzbrief von 1339
erwähnt. Aus dem gleichen Jahr erfahren wir aus den oben erwähnten Patent Rolls
von einer Zollermäßigung, die für Konrad Klepping auf Lebenszeit gewährt wird.
- Ein Jahr später, 1340 also, bestätigt der König am Hofe von Westminister die
Verpfändung sämtlicher Zölle an ein Konsortium Dortmunder Kaufleute, zu dem Konrad
Klepping gehört.
- Im Herbst des gleichen Jahres bedankt sich Edward bei Konrad für persönlich
überbrachte Informationen betreffend der Position der französischen Blockadeflotte vor
Sluis in Westflandern (heute Niederlande). Konrad werden die Auslagen und die Spesen
erstattet - so erfahren wir etwas über die Lebenshaltungs- und Reisekosten damals. Mehr
noch scheint dem König zu gefallen, dass Konrad "um der Ehre des Königs
Willen" eine Schuld in der Stadt Brüssel beglichen hatte, so dass die Geiselhaft
für zwei englische Adelige beendet werden kann.
- Im Tower zu London 1341 hält es der König für angezeigt, seinem Kaufmann ohne
besonders erkennbaren Anlaß einfach mal so "Dankbarkeit für die große,
zuverlässige und selbstlose Hilfe" zu bezeugen.
- Als Kleppings Dortmunder Konsorten die Deckung ihrer immer umfangreicheren Darlehen 1342
aus den Zolleinnahmen Englands, obwohl diese von Historikern als "enorm"
angesehen werden, nicht möglich ist, erhielten sie zusätzlich die der Krone zustehenden
Naturalabgaben aus vier Grafschaften des englischen Reiches. Der König blieb wegen des
Hundertjährigen Krieges mit Frankreich weiterhin klamm.
- Immer wieder halfen Dortmunder mit Krediten aus. 1343 kommt die enorme Summe von
45.000 Goldkronen hinzu, weil Klepping und seine Partner inzwischen die sogenannte Große
Krone der Könige von England bei einem anderen Schuldner ausgelöst haben. Konrad
Klepping überreichte das gute Stück persönlich an einen königlichen Beamten und wurde
dafür auch in den Folgejahren mit Sonderrechten und Ausfuhrgenehmigungen belohnt.
- 1345
setzt Edward III einem Neffen Konrads ausdrücklich wegen der hervorragenden
Dienste seines Onkels so lange eine Rente aus, "bis er ihn mit einer angemessenen
kirchlichen Pfründe versorgen kann".
- 1347
bestätigt der König Konrad Klepping und anderen Dortmunder Kaufleute, die in
London zu der Zeit eine eigene Zentrale, die "Gildehalla Theutonicorum",
unterhalten, Immunität als ordentliches Mitglied der Kaufmannsgilde.
- Konrad, inzwischen in fortgeschrittenen Alter, wird nun offenbar zum Berater für
Handels- und Finanzangelegenheiten. Am 10. Juni 1353 finden wir ihn zusammen mit
führenden englischen und lombardischen Kaufleuten im Rat des Königs. Von der
Tagesordnung ist leider nur so viel bekannt: "Angelegenheiten betreffend England,
Irland und Wales".
Bald darauf muß Konrad Klepping verstorben sein, laut einer
Quelle vor Oktober 1354, und vermutlich an der Pest, die damals Europa verheerte. Vielfach
führte man dies auf Sünden zurück, zu denen auch die gerade von Dortmundern
"erfundenen" Kreditgeschäfte gehörten - wer Zinsen nahm, galt als verdammt.
Außerdem schuf die materielle Not Begehrlichkeiten, die mangels starker
Zentralgewalt in Deutschland den Handel zum Erliegen brachten. Nachdem 1388 die Truppen
des Grafen von Berg vor den Toren Dortmunds gestanden hatten ("Große Fehde"),
war erfolgreicher Handel im europäischen Maßstab speziell den Dortmundern kaum noch
möglich. Es sollte 500 Jahre dauern bis sie wieder an die wirtschaftlichen Erfolge des
Mittelalters anknüpfen konnten.