Interview mit Lore Junge

Interview (ca. 260 KB)

Im 14.11.1996 machten wir im Seminar über Extremismus ein Interview mit Lore Junge.

Hier sind einige Fragen aufgeführt, die wir ihr gestellt haben.

Auszüge aus dem Interview liegen als Tondokument vor. (Mausklick auf das Foto von Lore Junge - leider online nicht verfügbar)

 

Kannten sie einige Frauen, die in ein Konzentrationslager kamen und können sie uns vielleicht etwas darüber berichten? Die Frauen, die ich kannte, waren sich noch gar nicht darüber bewusst, dass sie in ein Konzentrationslager kamen und vernichtet werden sollten. Sie lackierten sich sogar noch die Nägel, weil es eigentlich hieß, dass sie umgesiedelt werden sollten. Sie packten ihre Kleider in die schönsten Koffer und warteten gespannt, bis sie abgeholt wurden. Ich habe ihnen gesagt, dass sie doch lieber Säcke oder Kissenbezüge für ihre Kleidung nehmen sollten, da die Koffer ihnen sowieso weggenommen werden würden. Aber sie blieben dabei!
War der Vernichtungswille der Nazis früher schon da? Ja, der Vernichtungswille war schon sehr früh da. Als diese "grosse" Rede von Hitler im Radio übertragen wurde, hat man alles schon gehört und erklärt bekommen, was eigentlich passieren sollte. Er hat einfach alles wortwörtlich so beschrieben wie es im II. Weltkrieg zugetroffen ist.
Wann haben sie das erste mal von der tatsächlichen Judenvernichtung gehört? Das habe ich erst nach dem Krieg richtig erfahren und zwar von Leuten aus dem Dortmunder Norden, die gegenüber der Steinwache an der Börse beobachtet haben, wie Juden auf Wagen gebracht worden waren und ins Konzentrationslager gebracht wurden.
Sind denn auch Leute wie Richter oder ähnliches nach dem Krieg verurteilt worden? Nein, zum Bedauern vieler Leute ist kein Richter nach dem Krieg verurteilt worden.
Waren Sie im BDM? Ja, ich war im Bund Deutscher Mädchen, aber erst nachdem der Religionslehrer mich sehr nett gedrängt hatte, dorthin zu gehen. Meine Eltern waren ja Antifaschisten.
Was sagen Sie denn zu Sinti und Roma, also zu den Zigeunern? In Dortmund hießen sie Sinti habe ich mir sagen lassen. Sie hatten auch ganz normale Wohnungen und auch gute "Arbeitsplätze. Sie wurden alle nachher nach "Ausschwitz-Birkenau" , was ein besonderes besonderes Gebäude war, transportiert. 150 Sinti waren in Dortmund von der Deportation betroffen. Insgesamt kostete der Völkermord an Sinti und Roma ungefähr 500.000 Menschen das Leben.
Meinen Sie, dass die Menschen aus dem Ganzen gelernt haben und können Sie sich vorstellen, dass soetwas in dieser Art noch mal vorkommen könnte? Eigentlich kann ich es mir nicht vorstellen, dass soetwas wie in dieser Zeit noch mal vorkommen könnte. In den Schulen wird soetwas auch ganz anders erklärt, obwohl die Jugendlichen heute ganz anders sind. Sie sind zwar gewaltbereiter, aber nicht so vernichtungslustig wie Hitler es war.

Das Interview führten Markus, Alfons, Susanne (AG "Schule ohne Rassismus" von der Max-Born-Realschule) und Frau Lore Junge, der wir noch sehr viel Dank für das Gespräch aussprechen möchten.

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