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Bundesministerium
für Arbeit und Sozialordnung
Geschäftszeichen
IIa 1 - 96/Pfeifer
Datum
26. Juni 2001
Bundesministerium
für Arbeit und Sozialordnung * 11017
Berlin
Herrn
Udo R. Pfeifer
Grüningsweg 42
44319 Dortmund
Sehr geehrter Herr Pfeifer, lieber Tim und Stefan,
vielen Dank für die E-Mail an den Herrn Bundeskanzler vom 11. Juni 2001,
die zuständigkeitshalber an das Bundesministerium für Arbeit und
Sozialordnung weitergeleitet wurde. Ich bin beauftragt, Ihnen zu antworten.
Das von Ihnen geschilderte Interesse für die Situation der Arbeitslosen
und die konkrete Hilfe für Arbeitslose Ihrer Region durch das Angebot
an Anleitung für PC-Anwendungsprogramme im Rahmen des Schulprojekts
"Schüler helfen Arbeitslosen" ist lobenswert und vorbildlich. Für
die Bundesregierung kann ich Ihnen versichern, dass die Schaffung und Sicherung
von Beschäftigung und die Verringerung der Arbeitslosigkeit die zentralen
politischen Ziele der Bundesregierung sind und bleiben. Dafür werden
große Anstrengungen unternommen.
Die aktive Arbeitsmarktpolitik, die von der Bundesanstalt für Arbeit
bzw. den Arbeitsämtern ausgeführt wird, leistet in diesem Rahmen
einen erheblichen Beitrag zur Förderung der Beschäftigung. Die
Bundesregierung hat die Finanzausstattung der aktiven Arbeitsmarktpolitik
seit der Regierungsübernahme auf hohem Niveau verstetigt. In diesem
Jahr werden dafür umfangreiche Mittel in Höhe von rd. 44,5 Mrd.
DM zur Verfügung gestellt.
Für eine nachhaltige Problemlösung ist aber nicht nur die Politik
gefordert. Das ist eine Aufgabe, der sich Wirtschaft und Gesellschaft gemeinsam
stellen müssen. Denn aktive Arbeitsmarktpolitik kann nicht der entscheidende
Motor für mehr Beschäftigung sein. Sie kann nur zeitlich befristet
Beschäftigungsmöglichkeiten eröffnen und durch ihre
vielfältigen Aktivitäten zum Ausgleich von Angebot und Nachfrage
beitragen. Die Schaffung von zukunftsfähigen Arbeitsplätzen, die
Erhöhung der Beschäftigung und die Gestaltung der konkreten
Arbeitsbedingungen sind vor allem originäre Aufgabe der Unternehmen.
Das von der Bundesregierung initiierte Bündnis für Arbeit, Ausbildung
und Wettbewerbsfähigkeit bietet eine ausgezeichnete Plattform für
den notwendigen Dialog von Vertretern von Staat, Gewerkschaften und
Arbeitgeberverbänden. Hier geht es darum, sich auf
Lösungsansätze zur Verringerung der Arbeitslosigkeit zu
verständigen und diese dann in praktisches Handeln umsetzen. Und die
Erfahrungen der letzten Jahre zeigen, dass das Bündnis für Arbeit
erfolgreich handelt.
Bei dem von Ihnen angesprochenen Thema - den Umgang von Arbeitslosen und
Arbeitsamt zu verändern, bzw. "mehr Druck auf Arbeitslose auszuüben"
- handelt es sich um Äußerungen zur geplanten Reform des
Arbeitsförderungsrechts, deren Eckpunkte gerade der Öffentlichkeit
vorgestellt wurden. Ein Ziel dieser Reform ist eine grundlegende Verbesserung
der Arbeitsvermittlung, auch durch die Aktivierung der Arbeitsuchenden. Auf
der Basis intensiver Beratung und einer Chancenprognose werden Maßnahmen
zur Aufnahme einer Beschäftigung besprochen. Zur Umsetzung schließen
Arbeitsloser und Vermittler des Arbeitsamtes eine Eingliederungsvereinbarung
ab, die konkrete Schritte für die Ausnahme einer Berufstätigkeit
und - soweit im Einzelfall erforderlich - arbeitsmarktpolitische Hilfen festlegt.
Zugleich werden die Pflichten des Arbeitslosen konkretisiert. Damit soll
die Zusammenarbeit im Sinne des Förderns und Forderns verbindlicher
gestaltet und die berufliche Wiedereingliederung nachhaltig unterstützt
werden.
Dieser Ansatz wird in der Presse zum Teil sehr emotional und in starker
Schwarz-Weiß-Färbung dargestellt. Er hat grundsätzlich ein
faires Verhältnis im Sinne des Förderns (Pflichten des Arbeitsamtes)
und Forderns (Pflichten des Arbeitslosen) zum Ziel.
Ich stimme mit Ihnen überein, dass selbstverständlich nicht alle
Arbeitslosen über einen Kamm geschoren werden dürfen. Aber es gibt
unter den Arbeitslosen - wie in allen Gruppierungen der Gesellschaft - leider
auch solche, die versuchen, bestehende Angebote und Leistungen zu
missbrauchen.
Bezüglich Ihrem Wunsch nach Teilnahme eines Vertreters der Bundesregierung
an der Podiumsdiskussion zu Ihrem Schulprojekt "Schüler helfen Arbeitslosen"
kann ich Ihrem Anliegen leider wegen der großen Arbeitsbelastung im
Zusammenhang mit dem geplanten Job-AQTIV-Gesetz nicht entsprechen. Ich
wünsche Ihnen allen viele interessante Arbeitsergebnisse und viel Erfolg
bei Ihrem Anliegen, den Arbeitslosen zu helfen.
Mit freundlichen Grüßen
Im Auftrag

Antje Capellen
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