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11. 03. 2001  

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Klicken, bewerben, Geld verdienen! Gesuchte Jobs

Das Internet als Stellenbörse

von Roland Karle

Samstags tragen Postboten besonders schwer unter der Last der gedruckten Information. Die Tageszeitungen erscheinen am Wochenende immer in hochschwangerem Zustand. Was sie so prächtig trächtig macht, sind seitenlang gedruckte Stellenanzeigen. Und so quält sich die Papiermasse durch die Enge des Briefschlitzes und die Leser kämpfen sich durch die Flut von Inseraten.
Seit es Stellenmärkte im Internet gibt, hegen die Zusteller Hoffnung auf erleichterte Arbeitsbedingungen. Zwar freuen sich die Zeitungsverlage noch immer über prosperierende Geschäfte, doch das Ende scheint nah. "Das Rubrikengeschäft der Zeitungen wird mittelfristig in die Online-Medien abwandern", sagt der Berliner Zeitungsmanager Andreas Albath. Die Erklärung dafür ist einfach: Die Preise für eine Stellenanzeige im Web sind um ein Vielfaches günstiger als etwa in den überregionalen Tageszeitungen. Während dort mehrere Tausend Mark fällig sind, verlangen die Internet-Anbieter ein paar hundert Mark und die Anzeige steht einige Wochen online. Ein weiterer Pluspunkt der Stellenmärkte im Netz: Über detaillierte Suchmasken lässt sich das für den Stellensuchenden passgenaue Angebot auf einen Klick herausfiltern. Innerhalb weniger Sekunden hat er eine Übersicht der Jobs, die seinen Fähigkeiten und Wünschen entsprechen.
 
Mühsame Geburt
Zu den Pionieren dieses Internet-Business zählt Jobs & Adverts aus Oberursel. Als der promovierte Wirtschaftsmathematiker Roland Metzger vor gut vier Jahren seine Firma gründete, musste er den Personalverantwortlichen in den Unternehmen noch mühsam erklären, was eine Internet-Jobbörse ist und welchen Nutzen Stellenangebote im Netz bringen. Die Arbeit hat sich gelohnt: Jobs & Adverts ist heute europaweit der größte kommerzielle Stellenmarkt-Anbieter im Internet. Wachstumsraten von 300 Prozent pro Jahr und ein Umsatz von rund 18 Millionen Mark in 1999 haben den unkonventionellen Jobvermittler an die Spitze gebracht. Zeitungsmann Albath lobt: "Ein junges Unternehmen, das ohne Printmarke und Verlagskompetenz in wenigen Jahren den Markt aufgerollt hat. Das zeigt, wie sehr sich die Wettbewerbsparameter durch das Internet verändern."
  
Starkes Wachstum, harter Kampf
Die Zahl der Stellenangebote im Netz wächst Tag für Tag. Doch der Markt ist umkämpft. Rund 50 branchenübergreifende Internet-Jobbörsen listet Autor Mark Torben Rudolph in seinem Buch "Das KarriereNetzwerk" (Econ-Verlag) auf. Der Wettbewerb zeigt Folgen: Erste Fusionen und Übernahmen hat es bereits gegeben. Die kürzlich angekündigte Verschmelzung des drittgrößten Anbieters Careernet und der Stellenbörse Jobshop ist ein Beleg dafür, dass im Wettbewerb eine erste Konzentrationswelle einsetzt. Sie firmieren seit letzter Woche unter der Bezeichnung StepStone. Dazu Dominik Braun, Geschäftsführer des neuen Unternehmens: "In Deutschland werden zwei bis drei Jobbörsen den Markt bestimmen, europaweit werden es vier bis fünf sein."
  
Drang ins Ausland
Die Anbieter bündeln ihre Kräfte und setzen auf eine Expansion im Ausland. "Der entscheidende Erfolgsfaktor in unserem Business ist die Internationalität des Angebots. Besonders große Unternehmen wollen die Internet-Plattform nicht nur im eigenen Land, sondern für ihr internationales Personalmarketing nutzen", sagt Christopher Funk, Produktmanager bei Jobs & Adverts. Diesen Trend bestätigt Katharina Heuer, Leiterin Human Resources Communications & Recruiting bei der Debis AG in Berlin. "Die großen Internet-Stellenmärkte bieten neben ihrer Schnelligkeit vor allem den Vorteil, dass sie nicht nur einheimische Bewerber erreichen. Das ist für ein international rekrutierendes Unternehmen wie Debis ein ganz entscheidendes Kriterium." Derzeit schaltet der IT-Dienstleister ausschließlich bei Jobs & Adverts als externem Anbieter und hat damit gute Erfahrungen gemacht. "Wir haben über diesen Weg eine Reihe von Stellen besetzen können", erzählt Heuer. Für sie und die übrigen Debis-Personaler ist das Schalten von Online-Stellenanzeigen eine Selbstverständlichkeit geworden. Rund 350 Inserate habe Debis derzeit im Internet ausgeschrieben, Tendenz steigend.
 
Per E-Mail bewerben?
Dennoch, so glaubt die Personalexpertin, werden die Online-Jobbörsen den gedruckten Stellenmarkt nicht vollkommen ersetzen, sondern ergänzen. Derzeit werden Inserate häufig parallel geschaltet, also gleichzeitig in Print und Internet. Die Akzeptanz der Internet-Stellenmärkte in den Unternehmen steigt stetig, was auch zu einer erhöhten Bereitschaft führt, E-Mail-Bewerbungen zu sichten. In der überwiegenden Zahl der Fälle ersetzt ein E-Mail mit Anschreiben und persönlichen Angaben allerdings nicht die schriftliche Bewerbung. Ein Kardinalfehler ist es, seine kompletten Bewerbungsunterlagen online auf die Reise zu schicken. Ein Personalchef: "Wer so vorgeht, hat seine Chancen verspielt."
 
Wo wird geschaltet?
Für die meisten Unternehmen ist die Phase des Experimentierens beendet. Sie stellen sich nicht mehr die Frage, ob, sondern wo sie online inserieren sollen. So beschäftigen sich die Personalrekrutierer eingehend damit, den Markt der Anbieter zu sondieren. Auch Katharina Heuer tut das. "Wir prüfen derzeit, welche Jobbörsen für uns geeignet sind." Ein wesentliches Kriterium bei der Entscheidung für oder gegen einen Anbieter ist neben der geforderten internationalen Ausrichtung des Stellenmarkts auch die Zahl der Job-Angebote und der Nutzer. Nach einer Untersuchung des Fachmagazins "Personalwirtschaft" (Stand: Mitte 1999) liegt Jobs & Adverts in beiden Kategorien mit deutlichem Abstand vorne. Mit monatlich 5,4 Millionen Page Impressions steuern so viele deutsche Jobinteressierte die Adresse www.jobpilot.de an wie nirgendwo sonst im Netz. Über 30.000 Stellenangebote weltweit sind derzeit verfügbar. Zu den größeren Internet-Jobbörsen in Deutschland zählen Careernet, DV-Job, Jobinteractive, Jobticket und Jobware, wobei die Unterschiede in Aufmachung und Zahl der Inserate bisweilen beträchtlich ist. Ein Vergleich mit den USA zeigt, welches Potenzial die Internet-Jobbörsen bieten. Dort sind die Stellenmärkte bereits zu einem großen Teil von den Zeitungen ins Netz abgewandert. Führende Anbieter wie Career Path und Monster.com bieten jeweils mehr als eine viertel Million Jobs online. Weit über eine Million Stellen sind bei America’s Job Bank zu finden, dem Online-Service des Arbeitsamts. Dem Vorbild folgt die Bundesanstalt für Arbeit: Unter www.arbeitsamt.de sind bereits über 200.000 offene Stellen registriert.
 
Arbeitgeber nutzen das Netz
Parallel zur stürmischen Entwicklung der Online-Stellenmärkte verstärken auch die Unternehmen selbst ihre Anstrengungen, sich im Internet als attraktiver Arbeitgeber zu präsentieren. "Wir haben eine sehr ausgefeilte eigene Jobbörse für verschiedene Zielgruppen wie Schüler, Studenten, Professionals", sagt Debis-Personalexpertin Heuer. Spezielle Servicefunktionen sollen die Nutzung der Jobseiten attraktiv machen. So können sich Interessenten akkreditieren, um bei einem auf sie passenden Stellenangebot dieses per E-Mail automatisch zugestellt zu bekommen. Christopher Funk begrüßt solche Aktivitäten. "Die meisten unserer Kunden bieten auch auf ihren Internet-Seiten Jobs an und informieren über Karrierechancen. Das ist eine sehr gute Ergänzung zur Online-Stellenanzeige und stärkt unseren Markt."
 
Nischenmärkte
Dort tummelt sich auch eine Reihe von Nischenanbietern für einzelne Branchen. Für Marketing- und Werbeleute ist beispielsweise der Stellenmarkt von www.horizont.net eine gefragte Adresse. Allerdings ist die Personalsuche per Internet-Anzeige für viele Unternehmen der Branche - im Gegensatz zu EDV-Firmen beispielsweise - noch keine Selbstverständlichkeit. So braucht sich eine Renommieradresse wie Springer & Jacoby keine Sorgen um zu wenig Anfragen machen. "Wir werden von Bewerbungen überflutet", sagt Personalrekrutiererin Anke Pflaumer. Wenn eine Stelle konkret und kurzfristig zu besetzen ist, schaltet die Agentur in klassischen Printmedien. Ansonsten veröffentlicht die Hamburger Agentur ihre Stellenangebote auf der eigenen Homepage. Was dem Kreativnachwuchs offensichtlich nicht verborgen bleibt. "Etwa 10 Prozent der Bewerber nehmen in ihrem Anschreiben Bezug auf unsere Internet-Seite", sagt Pflaumer. Wer übers Internet in die Werbung gelangen will, der surft ohnehin die Homepages der großen und wichtigen Adressen ab, so die Überzeugung der Springer&Jacoby-Personalerin. Deshalb sah sie bislang keine Notwendigkeit, Stellenangebote bei externen Jobbörsen zu schalten. Dennoch hält auch Pflaumer den elektronischen Stellenmarkt für ein zukunftsträchtiges Medium. "Diese Einrichtung könnte mittelfristig auch für uns interessant werden. Bei manchen Angeboten müssten die Seiten allerdings noch etwas pfiffiger gemacht sein."
 
  Mit freundlicher Genehmigung: Quelle: http://www.firstsurf.de/karle9944_t.htm