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Gesuchte
Jobs
Das Internet als
Stellenbörse
von
Roland
Karle |
Samstags tragen Postboten
besonders schwer unter der Last der gedruckten Information. Die Tageszeitungen
erscheinen am Wochenende immer in hochschwangerem Zustand. Was sie so
prächtig trächtig macht, sind seitenlang gedruckte Stellenanzeigen.
Und so quält sich die Papiermasse durch die Enge des Briefschlitzes
und die Leser kämpfen sich durch die Flut von Inseraten.
Seit es Stellenmärkte im Internet gibt, hegen die Zusteller Hoffnung
auf erleichterte Arbeitsbedingungen. Zwar freuen sich die Zeitungsverlage
noch immer über prosperierende Geschäfte, doch das Ende scheint
nah. "Das Rubrikengeschäft der Zeitungen wird mittelfristig in die
Online-Medien abwandern", sagt der Berliner Zeitungsmanager Andreas Albath.
Die Erklärung dafür ist einfach: Die Preise für eine
Stellenanzeige im Web sind um ein Vielfaches günstiger als etwa in den
überregionalen Tageszeitungen. Während dort mehrere Tausend Mark
fällig sind, verlangen die Internet-Anbieter ein paar hundert Mark und
die Anzeige steht einige Wochen online. Ein weiterer Pluspunkt der
Stellenmärkte im Netz: Über detaillierte Suchmasken lässt
sich das für den Stellensuchenden passgenaue Angebot auf einen Klick
herausfiltern. Innerhalb weniger Sekunden hat er eine Übersicht der
Jobs, die seinen Fähigkeiten und Wünschen entsprechen.
Mühsame Geburt
Zu den Pionieren dieses Internet-Business zählt
Jobs &
Adverts aus Oberursel. Als der promovierte
Wirtschaftsmathematiker Roland Metzger vor gut vier Jahren seine Firma
gründete, musste er den Personalverantwortlichen in den Unternehmen
noch mühsam erklären, was eine Internet-Jobbörse ist und welchen
Nutzen Stellenangebote im Netz bringen. Die Arbeit hat sich gelohnt: Jobs
& Adverts ist heute europaweit der größte kommerzielle
Stellenmarkt-Anbieter im Internet. Wachstumsraten von 300 Prozent pro Jahr
und ein Umsatz von rund 18 Millionen Mark in 1999 haben den unkonventionellen
Jobvermittler an die Spitze gebracht. Zeitungsmann Albath lobt: "Ein junges
Unternehmen, das ohne Printmarke und Verlagskompetenz in wenigen Jahren den
Markt aufgerollt hat. Das zeigt, wie sehr sich die Wettbewerbsparameter durch
das Internet verändern."
Starkes Wachstum, harter Kampf
Die Zahl der Stellenangebote im Netz wächst Tag für Tag. Doch
der Markt ist umkämpft. Rund 50 branchenübergreifende
Internet-Jobbörsen listet Autor Mark Torben Rudolph in seinem Buch "Das
KarriereNetzwerk" (Econ-Verlag) auf. Der Wettbewerb zeigt Folgen: Erste Fusionen
und Übernahmen hat es bereits gegeben. Die kürzlich angekündigte
Verschmelzung des drittgrößten Anbieters Careernet und der
Stellenbörse Jobshop ist ein Beleg dafür, dass im Wettbewerb eine
erste Konzentrationswelle einsetzt. Sie firmieren seit letzter Woche unter
der Bezeichnung
StepStone.
Dazu Dominik Braun, Geschäftsführer des neuen Unternehmens: "In
Deutschland werden zwei bis drei Jobbörsen den Markt bestimmen, europaweit
werden es vier bis fünf sein."
Drang ins Ausland
Die Anbieter bündeln ihre Kräfte und setzen auf eine Expansion
im Ausland. "Der entscheidende Erfolgsfaktor in unserem Business ist die
Internationalität des Angebots. Besonders große Unternehmen wollen
die Internet-Plattform nicht nur im eigenen Land, sondern für ihr
internationales Personalmarketing nutzen", sagt Christopher Funk, Produktmanager
bei Jobs & Adverts. Diesen Trend bestätigt Katharina Heuer, Leiterin
Human Resources Communications & Recruiting bei der Debis AG in Berlin.
"Die großen Internet-Stellenmärkte bieten neben ihrer Schnelligkeit
vor allem den Vorteil, dass sie nicht nur einheimische Bewerber erreichen.
Das ist für ein international rekrutierendes Unternehmen wie Debis ein
ganz entscheidendes Kriterium." Derzeit schaltet der IT-Dienstleister
ausschließlich bei Jobs & Adverts als externem Anbieter und hat
damit gute Erfahrungen gemacht. "Wir haben über diesen Weg eine Reihe
von Stellen besetzen können", erzählt Heuer. Für sie und die
übrigen Debis-Personaler ist das Schalten von Online-Stellenanzeigen
eine Selbstverständlichkeit geworden. Rund 350 Inserate habe Debis derzeit
im Internet ausgeschrieben, Tendenz steigend.
Per E-Mail bewerben?
Dennoch, so glaubt die Personalexpertin, werden die Online-Jobbörsen
den gedruckten Stellenmarkt nicht vollkommen ersetzen, sondern ergänzen.
Derzeit werden Inserate häufig parallel geschaltet, also gleichzeitig
in Print und Internet. Die Akzeptanz der Internet-Stellenmärkte in den
Unternehmen steigt stetig, was auch zu einer erhöhten Bereitschaft
führt, E-Mail-Bewerbungen zu sichten. In der überwiegenden Zahl
der Fälle ersetzt ein E-Mail mit Anschreiben und persönlichen Angaben
allerdings nicht die schriftliche Bewerbung. Ein Kardinalfehler ist es, seine
kompletten Bewerbungsunterlagen online auf die Reise zu schicken. Ein
Personalchef: "Wer so vorgeht, hat seine Chancen verspielt."
Wo wird geschaltet?
Für die meisten Unternehmen ist die Phase des Experimentierens
beendet. Sie stellen sich nicht mehr die Frage, ob, sondern wo sie online
inserieren sollen. So beschäftigen sich die Personalrekrutierer eingehend
damit, den Markt der Anbieter zu sondieren. Auch Katharina Heuer tut das.
"Wir prüfen derzeit, welche Jobbörsen für uns geeignet sind."
Ein wesentliches Kriterium bei der Entscheidung für oder gegen einen
Anbieter ist neben der geforderten internationalen Ausrichtung des Stellenmarkts
auch die Zahl der Job-Angebote und der Nutzer. Nach einer Untersuchung des
Fachmagazins "Personalwirtschaft" (Stand: Mitte 1999) liegt Jobs & Adverts
in beiden Kategorien mit deutlichem Abstand vorne. Mit monatlich 5,4 Millionen
Page Impressions steuern so viele deutsche Jobinteressierte die Adresse
www.jobpilot.de an wie nirgendwo sonst im Netz. Über 30.000 Stellenangebote
weltweit sind derzeit verfügbar. Zu den größeren
Internet-Jobbörsen in Deutschland zählen Careernet,
DV-Job,
Jobinteractive,
Jobticket
und
Jobware,
wobei die Unterschiede in Aufmachung und Zahl der Inserate bisweilen
beträchtlich ist. Ein Vergleich mit den USA zeigt, welches Potenzial
die Internet-Jobbörsen bieten. Dort sind die Stellenmärkte bereits
zu einem großen Teil von den Zeitungen ins Netz abgewandert. Führende
Anbieter wie
Career
Path und
Monster.com
bieten jeweils mehr als eine viertel Million Jobs online. Weit über
eine Million Stellen sind bei
Americas
Job Bank zu finden, dem Online-Service des Arbeitsamts.
Dem Vorbild folgt die
Bundesanstalt
für Arbeit: Unter www.arbeitsamt.de sind bereits
über 200.000 offene Stellen registriert.
Arbeitgeber nutzen das Netz
Parallel zur stürmischen Entwicklung der Online-Stellenmärkte
verstärken auch die Unternehmen selbst ihre Anstrengungen, sich im Internet
als attraktiver Arbeitgeber zu präsentieren. "Wir haben eine sehr
ausgefeilte eigene Jobbörse für verschiedene Zielgruppen wie
Schüler, Studenten, Professionals", sagt Debis-Personalexpertin Heuer.
Spezielle Servicefunktionen sollen die Nutzung der Jobseiten attraktiv machen.
So können sich Interessenten akkreditieren, um bei einem auf sie passenden
Stellenangebot dieses per E-Mail automatisch zugestellt zu bekommen. Christopher
Funk begrüßt solche Aktivitäten. "Die meisten unserer Kunden
bieten auch auf ihren Internet-Seiten Jobs an und informieren über
Karrierechancen. Das ist eine sehr gute Ergänzung zur Online-Stellenanzeige
und stärkt unseren Markt."
Nischenmärkte
Dort tummelt sich auch eine Reihe von Nischenanbietern für einzelne
Branchen. Für Marketing- und Werbeleute ist beispielsweise der Stellenmarkt
von www.horizont.net eine gefragte Adresse. Allerdings ist die Personalsuche
per Internet-Anzeige für viele Unternehmen der Branche - im Gegensatz
zu EDV-Firmen beispielsweise - noch keine Selbstverständlichkeit. So
braucht sich eine Renommieradresse wie Springer & Jacoby keine Sorgen
um zu wenig Anfragen machen. "Wir werden von Bewerbungen überflutet",
sagt Personalrekrutiererin Anke Pflaumer. Wenn eine Stelle konkret und
kurzfristig zu besetzen ist, schaltet die Agentur in klassischen Printmedien.
Ansonsten veröffentlicht die Hamburger Agentur ihre Stellenangebote
auf der eigenen Homepage. Was dem Kreativnachwuchs offensichtlich nicht verborgen
bleibt. "Etwa 10 Prozent der Bewerber nehmen in ihrem Anschreiben Bezug auf
unsere Internet-Seite", sagt Pflaumer. Wer übers Internet in die Werbung
gelangen will, der surft ohnehin die Homepages der großen und wichtigen
Adressen ab, so die Überzeugung der Springer&Jacoby-Personalerin.
Deshalb sah sie bislang keine Notwendigkeit, Stellenangebote bei externen
Jobbörsen zu schalten. Dennoch hält auch Pflaumer den elektronischen
Stellenmarkt für ein zukunftsträchtiges Medium. "Diese Einrichtung
könnte mittelfristig auch für uns interessant werden. Bei manchen
Angeboten müssten die Seiten allerdings noch etwas pfiffiger gemacht
sein."
Mit freundlicher Genehmigung: Quelle:
http://www.firstsurf.de/karle9944_t.htm |