Max-Born-Realschule hilft Arbeitslosen     

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15. 05. 2001  

0 Schulprojekt der Max Born Realschule - Schüler helfen Arbeitslosen
  
Im Elternbrief unserer Schulleiterin Frau Brigitte Cramer zum neuen Schuljahr 2000/2001 wird gerade erst die Gewaltprävention, die Übernahme von Verantwortung und das Bekenntnis gegen jede Form von Extremismus hervorgehoben. Darin wird das Wollen, das Tun, das Seinlassen und das Nichttun, auch unter der Verpflichtung, dass wir seit langem eine Schule ohne Rassismus sein wollen, als Erziehung zur Zivilcourage verstanden. Die Tatsache, dass in der letzten Zeit die Gewalt im Mittelpunkt des Medieninteresses stand und steht und angeblich die Gewaltbereitschaft (Kernzelle soll die Schule sein!) als solches, in welcher Form auch immer, ständig zunimmt, habe ich versucht diesen Themenkomplex auch in einem Informatikunterricht zu behandeln und in Form eines Projektes durchzuführen und später im Internet präsentieren zu lassen.
Kernpunkte der Diskussion über Gewaltursachen sind:
  • zerrüttete Familienverhältnisse
  • Anonymisierung infolge der Verstädterung
  • Jugendarbeitslosigkeit und dadurch fehlende Perspektiven
  • fehlende Erfolgserlebnisse in Ausbildung und Beruf
  • Werteverfall der Gesellschaft
  • falsche Vorbilder oder Medieneinflüsse
  • Konsumverhalten aufgrund reißerischer Werbung
  • allgemeine Gewaltorientierung in der Gesellschaft
  • fehlendes Unrechtsbewusstsein

Man kann unterstellen, dass Probleme der Arbeitslosigkeit bei den Betroffenen, besonders jugendliche Arbeitslose, auch in die Nähe zu Gewalt und Gewaltbereitschaft führen können. Besonders die rechte Szene scheint jugendliche Arbeitslose anzuziehen.
Es gibt pädagogische Auffassungen, dass am Ende einer Lernsequenz immer ein Produkt stehen sollte, mit dem sich der/die SchülerIn identifizieren kann, das einen hohen Wiedererkennungswert hat und auf das man stolz ist. Ich habe den Eindruck, dass die SchülerInnen dieser Lerngruppe ein solches Projekt schaffen werden.
Ich plane mit dem Informatikschwerpunkt Klasse 9/10 (2000/2002) langfristig Arbeitslose, Verabredung mit dem Arbeitsamt (Herr Siegner), der Stadt Dortmund (Herr Schultenkämper), einem Ratsvertreter (Friedhelm Sohn - Vorsitzender des Kinder- und Jugendausschusses der Stadt Dortmund), der örtlichen AWO (Herr Roggenbach) und jump in und nicht zuletzt mit der Begleitung durch die örtliche Presse, durch Schüler während der Unterrichtszeit grundlegende Computerkenntnisse (Word, Excel), hauptsächlich aber den Umgang mit dem Internet, und in der dritten Fase Erstellung von HTML-Seiten, (Unterstützung von Bewerbungen) an die Arbeitslosen vermitteln zu lassen. Eine im Internet veröffentlichte Befragung soll zur Informationsbeschaffung beitragen.
Die Arbeitslosen werden uns an 2 Stunden in der Woche besuchen und im Projektzeitraum Gelegenheit haben, einmal vielleicht sich etwas höher zu qualifizieren und zum anderen ihre Probleme, Wünsche und Hoffnungen den Schülern transparent zu machen und auf Webseiten zu artikulieren und im Internet zu veröffentlichen.
Für die Fachinhalte des reinen Informatikunterrichts stehen Textverarbeitung, Bildbearbeitung, Internet-Recherche, HTML-Programmierung, Datentransfer, Datenschutz, Informationsgewinn, Kommunikation, Gestaltung, Statistik und Grafikbearbeitung.
Für den fächerübergreifenden Teil werde ich einige KollegInnen (beteiligte Fächer: Religion, Geschichte, Politik, SoWi) bitten, für die gleichzeitige Unterstützung in ihrem jeweiligen Unterricht zu sorgen.
Projektbeginn: 2. Februarwoche 2001 - Projektende: Herbstferien
Für den Projektverlauf ist die Lerngruppe unter der e-mail-Adresse arbeitslos@mbr.do.nw.schule.de zu erreichen.
Der Lernerfolg meiner Schüler dürfte neben den herkömmlichen Lernzielen der Schule, hier des Faches Informatik, auch in der Sozialisation der Jugendlichen, der Solidarität, dem Schauen über den eigenen Horizont und nicht zuletzt in der Bereitschaft zur Verantwortungsübernahme liegen. Im Sinne dieser Verantwortungsübernahme sollen sie lernen, später ihre eigenen Probleme meistern zu können und so auch ihre eigene Zukunftsgestaltung dementsprechend einzurichten. Die SchülerInnen lernen Probleme kennen, die so Schule nicht vermitteln kann. Die SchülerInnen haben gerade erst ihr Schülerbetriebspraktikum absolviert (Januar 2001). Die dort gewonnenen Erfahrungen und Einsichten sollten ihre Berufswahlvorbereitungen leichter machen können und ihre endgültige Berufswahl auch aus den Erfahrungen während dieses Projekts treffen können. Bei den Arbeitslosen, die wir betreuen, ist inzwischen eine hohe Bereitschaft zur Beteiligung zu erkennen. Sie sind froh an einem solchen Projekt teilnehmen zu können. Ihre Erfahrungen geben sie gerne und ohne Vorbehalte an die SchülerInnen weiter.
Zur unterstützenden Ausgestaltung unserer Arbeit haben wir mehrere Projektpartner (ein Handwerksbetrieb, ein Bildungsinstitut, ein Ingenieurbüro für Baustatik, eine weltweit tätige Business-Institution und einen Internetprovider) gewinnen können. Insbesondere sei hier die Gesellschaft für Bildung und Beruf erwähnt, die sich seit Jahren die Höherqualifizierung von in- und ausländischen, auch arbeitslosen Mitbürgern, zum Ziel setzt.
Während des Projekts ist dann noch ein professionelles Befragungsinstitut hinzu gekommen, dass uns bei der Auswertung der Befragung sicher eine gute Hilfe sein wird.
Udo R. Pfeifer