Im Elternbrief
unserer Schulleiterin Frau Brigitte Cramer zum neuen Schuljahr 2000/2001
wird gerade erst die Gewaltprävention, die Übernahme von Verantwortung
und das Bekenntnis gegen jede Form von Extremismus hervorgehoben.
Darin wird das Wollen, das Tun, das Seinlassen und das Nichttun, auch unter
der Verpflichtung, dass wir seit langem eine Schule ohne Rassismus sein wollen,
als Erziehung zur Zivilcourage verstanden.
Die Tatsache, dass in der letzten Zeit die Gewalt im Mittelpunkt des
Medieninteresses stand und steht und angeblich die Gewaltbereitschaft als
solches, in welcher Form auch immer, ständig zunimmt, habe ich versucht
diesen Themenkomplex auch in einem Informatikunterricht zu behandeln und
in Form eines Projektes durchzuführen und später im Internet
präsentieren zu lassen. Die Teilnahme an den Netd@ys 2000 war nur ein
willkommener Anlass, unsere Arbeit und unser Engagement für dieses Projekt
vielleicht gewürdigt zu sehen. Es gibt pädagogische Auffassungen,
dass am Ende einer Lernsequenz immer ein Produkt stehen sollte, mit dem sich
der/die SchülerIn identifizieren kann, das einen hohen Wiedererkennungswert
hat und auf das man stolz ist. Ich habe den Eindruck, dass die SchülerInnen
dieser Lerngruppe ein solches Projekt geschaffen und durchgeführt
haben.
Die kriminologische Forschung ist vielen Hypothesen nachgegangen. Trotz
zahlreicher und vielfältiger Untersuchungen bleibt die Frage nach "den"
Ursachen der Jugendkriminalität und -gewalt und ihrer spezifischen
Entwicklung offen. Man geht heute davon aus, dass Jugendkriminalität
und Gewalt nicht eine oder wenige isolierbare Ursachen hat, sondern dass
hier viele Faktoren und Bedingungen eine Rolle spielen. Zu den Faktoren,
die häufig genannt werden, zählen u.a.:
-
zerrüttete
Familienverhältnisse
-
Anonymisierung infolge der
Verstädterung
-
Jugendarbeitslosigkeit und dadurch
fehlende Perspektiven
-
fehlende Erfolgserlebnisse in
Ausbildung und Beruf
-
Werteverfall der
Gesellschaft
-
falsche Vorbilder oder
Medieneinflüsse
-
Komsumverhalten aufgrund
reißerischer Werbung
-
breitere Gelegenheiten für
kriminelle Aktivitäten (z.B. Computerkriminalität)
-
allgemeine Gewaltorientierung
in der Gesellschaft
-
fehlendes
Unrechtsbewusstsein
Nach meinen Beobachtungen wird häufig in den Medien - und offensichtlich
gerne - ausschließlich die Schule als Kernzelle der Gewalt und der
Gewaltbereitschaft bezeichnet. Das mag für einige soziale Brennpunkte
sogar gelten. Aber ich habe erhebliche Zweifel, ob man das schlussendlich
so allgemein gültig stehen lassen kann.
Die Unschlüssigkeit der Politiker die Gewalt, besonders aber die rechte
Gewalt, als stärker werdendes Problem dieser Zeit zu erkennen und die
rechtlich sicher schwierigen Verbote von Gewaltgruppierungen in Gang zu setzen,
scheint mir nicht so überzeugend zu sein, als dass man es wirklich ernst
in unserem Land meint. Gerade während der Durchführung unseres
Projekts weist die Frankfurter Rundschau am 14.9.2000 nach, dass die von
den Politikern zitierte Anzahl der Todesopfer durch rechte Gewalt nicht bei
26 liege, sondern eher bei 93.
Unsere Befragung soll auch der Versuch einer Klärung der Behauptungen
der Medien sein. In diesem Sinne habe ich meine SchülerInnen angeregt
das Projekt zu gestalten. Gerade weil während unseres Projektzeitraums
aber die Gewaltwelle und die Diskussion darum, immer stärker wurde,
habe ich mich in meinem Projektvorschlag immer mehr bestätigt gesehen.
Das hat auch dazu geführt, dass wir immer mehr an Fakten in unseren
Beitrag aufnehmen mussten und konnten, als ursprünglich geplant. Das
Thema "Gewalt an Schulen" mutierte zum Thema "Gewalt und Gewaltdiskussion
in Deutschland", und auch die geschichtlichen Aspekte der Gewalt flossen
in unsere Überlegungen mit ein. Die Erweiterung unseres Projekts um
die Aktion "Gesicht zeigen" war allerdings eine angenehme Herausforderung,
denn sie zeigte, dass doch viele Menschen bereit dazu sind.
Für die Fachinhalte des reinen Informatikunterrichts stehen
Textverarbeitung, Bildbearbeitung, Internet-Recherche, HTML-Programmierung,
Datentransfer, Datenschutz, Informationsgewinn, Kommunikation, Gestaltung,
Statistik und Grafikbearbeitung.
Für den fächerübergreifenden Teil danke ich einigen KollegInnen
(beteiligte Fächer: Religion, Geschichte, Politik) für die
gleichzeitige Unterstützung in ihrem jeweiligen Unterricht.
Udo R. Pfeifer |