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Karl Emil
Wiele
 
Expertenbefragung beim Besuch des
Bildhauers Karl Emil Wiele
Am 11.04.2002 besuchte die Klasse 6d der Max-Born-Realschule, den Künstler
Karl Emil Wiele um eine Expertenbefragung durchzuführen. Natürlich
mussten wir erst alles planen und vorbereiten. Mit unserer Klassenlehrerin,
Frau Overlack-Zenzen, sammelten wir Stichpunkte über Karl E. Wiele
an der Tafel, woraus wir später eine Mind-Map mit Fragen erstellten.
Die Fragen bezogen sich auf seine Lebensdaten und seine Werke.
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Unsere Lehrerin machte einen Termin mit Karl E. Wiele und Frau Cramer (unsere
Schulleiterin) aus, die auch mitkommen wollte. Dann kam auch schon der
11.04.2002, an dem wir nach der 2. Unterrichtsstunde entlassen wurden und
fuhren mit der Bahn bis Stadtgarten, wo auch schon Frau Overlack-Zenzen auf
die Klasse wartete. Gemeinsam fuhren wir dann ins "Depot" an der
Immermannstraße, im Dortmunder Norden. Dort arbeitet Karl E. Wiele
in seinem Freiluftatelier, weil es in seinem Atelier zu Hause zu klein gewesen
wäre für den tonnenschweren Stein, den er gerade bearbeitet. Mit
einem Kran und Flaschenzügen wurde dieser an seine jetzige Stelle auf
einen Holzbock gehievt, wo der Künstler ihn mit vielen verschiedenen
Werkzeugen bearbeitet.
Bereitwilligst beantwortete Karl Wiele die fast 50 Fragen, die wir aufgeschrieben
hatten.
Sogar die nach seinem Spitznamen (Steine-Karl)! |
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Ein Teil unserer
Fragen an Karl Emil Wiele:
1.) Warum sind Sie Künstler geworden?
A: Ich habe mich schon seit meinem vierten Lebensjahr für Kunst
interessiert und gerne gemalt.
Es war immer mein Traum Künstler zu werden!
2.) Wer zahlt das Material für ihre Arbeiten?
A: Das zahle ich zunächst selbst.
3.) Was für Werkzeuge benutzen Sie?
A: Zollstock, Bohrer, Diamantnadel, Steinbohrer, Sprengeisen,
Spitzeisen, Diamanttrennscheibe, Zahneisen, Klüpfel, Fäustel, Stockhammer
4.) Wo arbeiten Sie hauptsächlich?
A: Das ist unterschiedlich, mal bei mir zu Hause, in meinem
Atelier und draußen.
5.) Wann arbeiten Sie?
A: Ich stehe sehr früh auf (5.00h) und kann entsprechend auch
früh anfangen.
6.) Machen Sie sich vor jeder Skulptur Skizzen?
A: Manchmal, oft sind aber Formen schon vorgegeben.
7.) Wie lange dauert ein Werk?
A: Fast einen Monat
8.) Wie groß war Ihre größte Skulptur?
A: Aus Sandstein, 4 m
9.) Wie klein war ihre kleinste Skulptur?
A: Aus Bronze, 2 cm
10.) Wie viel kostet eine Skulptur?
A: Das richtet sich nach der Größe und wie lange ich dafür
gebraucht habe.
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Er arbeitete vor
uns an einem Torso
(Körper ohne Arme und Beine,
manchmal sogar ohne
Kopf)
und klärte uns besonders über
die Sicherheitsmaßnahmen
auf,
die getroffen werden müssen,
damit keine Unfälle passieren. |
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Zum Schluss, weil wir kaum noch stehen konnten und es uns allen ziemlich
kalt war, machte Karl Emil Wiele mit uns einen Rundgang durch das "Depot".
In der ehemaligen Straßenbahnreparaturwerkstatt arbeiten inzwischen
viele Künstler in ganz verschiedenen Bereichen. So gibt es
Glaskünstler, Schreiner, Papiermacher, Schildergestalter und auch ein
Architekturbüro in der Nähe. Auch ein Theater und eine Kneipe sind
dort untergebracht, aber die haben erst abends geöffnet. In einer Woche,
will Karl Wiele uns in der Schule besuchen und der Klasse erklären,
wie ein Bronzeguss geht. Darauf freuen wir uns schon jetzt. Dazu dürfen
wir auch unsere Eltern einladen. Beim Feedback in der Schule waren wir uns
einig, dass das eine gelungene Exkursion war.
Wir einigten uns darauf, dass wir
weitere Experten befragen und auch anderer Berufe - besonders aus dem Handwerk
- kennen lernen wollen.
Caroline u. Annika
Am 23.04.02 war es dann soweit, Karl Emil Wiele kam zu uns in die Klasse
, nachdem wir bei ihm im Freiluftatelier im Depot in der Immermannstraße waren. Herr Wiele erklärte uns
mit anschaulichen Folien den Bronzeguss:
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| Erst erklärte er uns, wie ein Bronzeguss entsteht.
Er hat sich viel Mühe gegeben, uns die einzelnen Arbeitschritte zu verdeutlichen, indem er mit Tageslichtschreiberfolien arbeitete. Dazu zeigte er noch eine Tonfigur in der Gipsform mit der Silikonschicht und schon fast fertige Bronzefiguren in der Klasse herum.
Nachdem er uns alle Arbeitsschritte sehr ausführlich erklärt hatte, konnten wir, wie beim letztes
Mal, unsere Fragen (die wir wieder in einer Mind-Map gefasst hatten) stellen.
Nach zwei Schulstunden war der Künstler mit "seinem" Unterricht fertig.
Wir fanden es alle sehr interessant und bedanken uns recht herzlich bei Karl Emil
Wiele.
Caroline u. Annika
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Hier ein Teil unserer Fragen:
1) Was gefällt Ihnen besser, Bronzeguss oder Bildhauerei?
A: Ich finde eigentlich beides gut, weil ich oft beides miteinander verbinde.
2) Seit wann beschäftigen Sie sich schon mit dem Bronzeguss?
A: seit ca. 20 Jahren
3)Welche Materialien benutzen Sie ?
A: Gips, Wachs, Ton, Silikon, Schamott, Eisenzapfen, Kupfer und Zinn. (= Bronze)
4) Wo befindet sich der Ort der Arbeit?
A: Früher hat man Bronzen in der Natur hergestellt. Die Form wurde in die Erde eingegraben. Jetzt macht man das kaum noch, nur noch manchmal bei
Glocken. Alle Vorbereitungen werden im Atelier gemacht, vom Modell bis zur fertigen Form, die dann in der Gießerei gegossen wird. Mein Gießer ist in Prag. Zu ihm bringe ich alle meine Plastiken.
5) Wie teuer ist eine Bronze ?
A: Für eine kleine Figur, die ca. 20 cm groß ist, muss der Künstler allein für das Bronze-Material und das Gießen ungefähr 700 € selbst bezahlen,
da hat er aber noch nichts dran verdient.
6) Wie viele Bronzeskulpturen haben Sie schon geschaffen?
A: So genau weiß ich das nicht, aber es werden schon 700 - 800 Figuren gewesen sein.
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Weil wir den anschaulichen
Vortrag gar nicht so schnell mitbekommen haben und alles mitschreiben konnten,
haben wir uns nach einer zusätzlichen Quelle im Internet umgesehen!
Wir fanden Sie unter: http://www.butschal.de/werkstatt/g2-text.htm)
Der Bronzeguss
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Geschichte
Der Bronzeguss mit der Technik des verlorenen Wachses entstand in Indien um 5000 vor Chr. und entwickelte sich zur vollkommensten Arbeitsweise in der Wiedergabe des künstlerischen Modells in der Vollplastik, sowie im Relief.
Unzählige Generationen fertigen über Tausende von Jahren den verlorenen
Wachsguss für Bronze, dessen Technik im wesentlichen die Gleiche geblieben ist. Diese Tradition des Gießens wurde mündlich vom Vater auf den Sohn vererbt.
Erst durch Cellini wird zum ersten Male der Arbeitsprozess schriftlich festgehalten. Die Beschreibung des Gusses, seines
Perseus, ist in der Tat das erste schriftliche Dokument über den verlorenen
Wachsguss.
Aus späterer Zeit bleibt jedem Schüler die Beschreibung Schillers "Das Lied von der Glocke" unvergesslich eingebrannt. Die Glocke, eine
von Schillers größten Balladen, entstand im September 1799.
Diese Ballade handelt von dem Prozess des Gießens und beschreibt die einzelnen Arbeitsschritte des Produktionsprozesses einer Glocke (Gleichzeitig beschreibt der Dichter Schiller das
arbeits- und schicksalsreiche Leben einer Arbeiterfamilie in der Zeit des
Absolutismus).
Arbeitsvorgang
Der Künstler modelliert seine Figur entweder direkt in Wachs, oder in anderen Materialien, von denen dann über eine Negativform das gleiche Modell in Wachs erstellt wird.
Das vorhandene Wachsmodell, Ausgangspunkt des Gusses, wird mit einem widerstandsfähigen, aber gleichzeitig ausreichend elastischem Material umgeben, das in der Negativform jegliche Formnuance des Positivs übernimmt.
Dieser Mantel, der das Wachs umgibt, wird im Ofen bei hoher Temperatur hart gebrannt, wobei gleichzeitig das Wachs ausläuft und eventuelle Reste vollkommen verbrennen (daher die Bezeichnung: Verlorene Wachsform). Das flüssige Material wird dann in den Hohlkörper gegossen. Nach dem Erkalten der Bronze, wird diese von der sie umgebenden Negativform befreit. Die so gewonnene Bronzeplastik wird überarbeitet und patiniert.
Der Bronzeguss in chronologischer Folge, wie er seit 1968 ausgeführt wird.
Modell
Negativform
Wachs
Keramik
Brennen und der Guss
Freilegung des Gusses und erste Überarbeitung
Ziselierung
Patinierung
Modell
Der Bildhauer modelliert sein Original in einem Material und in einer Technik, mit der er die besten Erfahrung hat. Er
muss sich nicht darum kümmern, ob die Umsetzung seines Modells in Bronze möglich oder unmöglich
ist. Denn dies ist der entscheidende Faktor, manche Form ist mit den traditionellen Mittel nicht oder nur sehr
aufwändig zu gießen. Er kann in der Sicherheit arbeiten, dass seine künstlerische Aussage durch keinerlei technische Probleme begrenzt wird, egal welche formale Lösung er wählt. Sein Modell wird mit größter Genauigkeit in Bronze wiedergegeben.
Negativform
Um von dem Original ein identisches Wachsmodell zu erhalten, wird eine Negativform in einem Spezialkautschuk von dem zu gießenden Modell angefertigt. Dank des von uns verwendeten Materials, kann die Form selbst von sehr empfindlichen Modellen abgekommen werden, sei es Plastilin oder frischer Ton. Das heißt also,
dass dem Künstler jegliche Freiheit bei der Kreation seiner Arbeit gelassen wird. Dieser synthetische Kautschuk hat gerade für diesen
Arbeitsprozess eine außerordentliche Entwicklung mitgemacht.
Die tierischen und pflanzlichen Gelatineformen, umgeben von Gips - Stückformen, so wie sie noch in den traditionellen Kunstgießereien verwendet werden, erlauben häufig keine größere Anzahl von Wachsvervielfältigungen und bringen nicht die von uns angestrebte Formtreue. Wir haben eine Arbeitsmethode entwickelt, bei der die Formtreue gegenüber dem Originalmodell nicht durch die Vielzahl der Wachskopien verloren geht.
Wachs
Von der Negativform erhält man das Wachspositiv, das eine absolut formgetreue Reproduktion des Originals darstellt. Die leichte Modulationsfähigkeit der Materie erlaubt es dem Künstler, die Form weiter zu überarbeiten und eventuelle kleine Fehler zu korrigieren. Für jede Bronze ist ein
Wachsguss notwendig. Beim Studium der Wachszusammensetzung war immer unsere Ausgangsüberlegung maßgebend; eine große Anzahl von Wachsformen mit absoluter Formtreue von ein und der selben Negativform zu erhalten. In der Tat besteht die einzige Veränderung im Schwund von ca. 3% vom Original bei der Erkaltung des Wachses. Die Formstabilität erlaubt ein sicheres Überarbeiten, das eine Verformung des Originals ausschließt.
Keramik
Das Wachspositiv wird nun mit einer hochgradig feuer- und druckfesten Keramik umgeben, die jedoch in ihrer Granulation derart feinkörnig ist,
dass selbst feinste Formdetails aufgenommen werden. Der Ersatz des traditionellen Formschlammes (Wasser, Gips und Schamotte) durch eine chemisch tote Keramik, war die Krönung unserer Bemühungen. Parallel mit der Erforschung neuer
Stahlgusstechniken für den militärischen Sektor, erproben wir seit Ende der fünfziger Jahre die entsprechende Technik für den
Kunstguss. Die chemische Neutralität der von uns verwendeten Substanzen, keine Verwendung von Wasser (immer ein Risiko beim Brand), der Gebrauch hochgradig feuerfester Komponenten, und die mathematische Sicherheit, der von uns in vielen Experimenten gefundenen Kompositionsformel ermöglichen es uns, Keramikumwandlungen von der Stärke
4/5 mm zu erstellen, die einerseits absolut formtreu sind, anderseits den extrem hohen Druck flüssiger Bronze aushalten.
Brennen und Guss
Das so ummantelte Wachs wird in einen Ofen mit hoher Temperatur gegeben (thermischer Schock), wo das feuerfeste Material in kurzer Zeit gebrannt wird und das Wachs ausfließt und verbrennt. <Verlorener
Wachsguss>. So erhält man eine Negativform in Keramik, deren Hohlräume vom Wachs befreit sind, und in die Bronze gegossen wird.
Freilegung des Gusses
Mit der Abkühlung erhält die Bronze ihre eigene Härte, die es dann erlaubt, mit speziellen Instrumenten die hartgebrannte Keramik vom Metall zu lösen. Da in den untergriffigen Stellen leicht Keramikreste zurückbleiben können, wird die Bronze mit einem sandähnlichen Staub unter Druck abgespritzt, ohne
dass die Oberfläche verletzt wird.
Überarbeitung und Ziselierung
Sobald die Bronze von ihrer Keramik befreit ist, erfährt sie ihre letzte Überarbeitung und Ziselierung. Mit unserem speziell entwickeltem System wird nicht nur in großen Stücken die Negativform abgetragen, sondern auch die kleinsten Reste der feuerfesten Form beseitigt. Die Bildhauer wissen mit welcher Mühe die Freilegung der Bronze von der Ummantelung, den Kanälen und eventuellen
Gussschlacken (in der traditionellen Technik), verbunden ist. Die Oberfläche der Bronze ist wesentlich frischer, feiner und kompakter,
dank der feinkörnigen und ausgeglichenen feuerfesten Masse, die wir verwenden. Das Resultat ist eine Vereinfachung des Arbeitsvorganges und der Fortfall sonst üblicher Modifizierungen an wesentlichen Teilen der Skulptur.
Patinierung
Die gegossene Bronze, erhält jetzt die notwendige farbliche Behandlung, entsprechend den Wünschen des Künstlers. Wir verfügen über eine weiterentwickelte Erfahrung mit chemischen oder wärmetechnischen Mitteln. Hiermit können wir beliebige Farbtöne hervorbringen. Als letztes beschließt die Kontrolle, Firmierung und
Nummerierung durch den Künstler den Arbeitsprozess.
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